Wilderer auf der Kalaalm

Ab Ende Juli kann man sich auf die Spuren des Mythos Wilderer begeben

THIERSEE –  „In der vorigen Woche hat in der Gegend von Kufstein das Wildern wieder ein Opfer gekostet. In dem erzherzoglichen Jagdrevier von Thiersee stießen zwei Jäger auf einen ihnen verratenen Wilderer und als derselbe sich nicht gutwillig ergeben wollte, wurde er von einem Jäger durch einen Schrottschuss schwer verwundet, sodass an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Ob der verhängnisvolle Schuss aus Notwehr oder aus allzu hastigem Eifer fiel, wird der Gang der eingeleiteten Untersuchung zeigen.“ So lautete ein Zeitungsbericht am 31. August 1881. Damals war Wildern noch ein Kavaliersdelikt, ja man kann sagen, ein heimlicher, verbotener „Kampfsport“ zwischen verwegenen Wildschützen und Jägern.

Auf der Kalaalm steht am Dienstag, dem 23. Juli 2013, um 20 Uhr, ein bunter Abend mit Musik und interessanten Texten, Gedichten und Geschichten ganz unter dem Motto „Mythos Wilderer“. Zu sehen sind auch einige Originalschaustücke von Wilderern. Grund ist die Präsentation des gleichnamigen Themenwanderweges von Martin Reiter, der ab Ende Juli rund um die Kalaalm erwandert werden kann. Dort findet man auf zahlreichen Schautafeln interessante Informationen über den „Mythos Wilderer“ im tirolisch-bayerischen Grenzgebiet.

Schier unverrückbar scheint das romantische Bild vom Wilderer in uns eingegraben – mutig, männlich, mit dem Herz am rechten Fleck! Und so war der Wilderer in den Augen des Volkes selbstverständlich nie ein Gesetzesbrecher, Dieb oder gar Mörder. Er übt nur „uralte Tradition", vertritt die Ansicht, dass „Wald und Wild frei seien“, und überhaupt ist die Jägerei dem Bayern und Tiroler angeboren und deshalb eigentlich Menschenrecht und durch nichts zu beschränken. Martin Reiter: „Selbst der Pfarrer drückte im Beichtstuhl beim Thema Wildern beide Augen bzw. Ohren zu – solange es nicht am Sonntag geschah, wohlgemerkt, ehe die Messe gehört war." 

Die Jagd entwickelte sich im Verlauf des Mittelalters weitgehend zu einem Privileg des Adels. Niederwild konnte die bäuerliche Bevölkerung weiter bejagen. Wilderei spielte erst eine größere Rolle, als im 15. Jahrhundert die Regierenden das Jagdrecht als Regal beanspruchten und seit dem 16. Jahrhundert Wilderei als Schwerverbrechen ahndeten und mit der Todesstrafe belegten. Der Landesherr monopolisierte die Jagd. Sie wurde zu einem zentralen Element barocken höfischen Lebens. Wilderer gingen allerdings kein großes Risiko ein. Wenn es überhaupt gelang, sie aufzuspüren, waren die Strafen selten hart. Manche Wilderer wurden zu Volkshelden stilisiert und fanden über Wildschützenlieder Eingang in die Volkskultur (Bayerischer Hiasl, Jennerwein). Nach 1800 wurden die Jagdgesetze gelockert, das Jagdregal abgeschafft und die Strafen gemildert. Seit den 1830er Jahren verschärften sich die Konflikte allerdings wieder, denn die von der Grundherrschaft befreiten Bauern lehnten sich dagegen auf, dass die Jagd im Grunde Vorrecht der privilegierten Bevölkerungsschichten blieb. Im 20. Jahrhundert flammte die Wilderei vor allem zu Krisenzeiten (Erster Weltkrieg, Nachkriegszeit und Inflation) wieder auf, um schließlich ein Gelegenheits- und Freizeitdelikt zu werden.


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Martin Reiter

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Ort Thiersee
Datum 13.07.2013

Die Wildererfamilie

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Hinterriss mit Jagdschloss

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Erlegte Gämse aus dem Achenseegebiet

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Die Sennerin und der Wilderer

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Die Jagdprüfung

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Während der Jagd

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Jagd und Fischerei

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